"Hüftgold", Düsseldorf: One Moment on your lips...
Tage wie diese sollte es viel häufiger geben. Zum Geburtstag des Allerliebsten haben wir beide frei und nach ausgiebigem Ausschlafen und Imbettfrühstückenundzeitungslesen bis zum frühen Mittag ist der Nachmittag perfekt zum Kaffee trinken und Geburtstagskuchen essen gehen. Solange ich meine Backkünste nicht vervollkommnet habe, ist der perfekte Platz dafür das heute ausprobierte Café in Düsseldorf Flingern.
Der Name ist in verschnörkelten Goldbuchstaben geschrieben und dabei schnörkellos ehrlich. Hier gibt es nichts zu verschleiern, nein, die nackte Wahrheit kommt an die Tür: “Hüftgold”.
Und das kann man sich in dem kleinen Eckcafé, das zwischen Shabby Chic und 50er Jahre Stil eingerichtet ist, mit Wonne anfuttern. Die Kuchentheke ist prall gefüllt und was wir sehen, stellt uns vor die Qual der Wahl. Nicht ganz, ich bin sofort für Pflaumenzimttorte, weil Pflaumenkuchen nun mal neben Himbeertorte mein Lieblingskuchen ist. Das Geburtstagskind schwankt zwischen verschiedenen Quarktortenvarianten, und Schokoladigem, ist dann aber von Brombeer-Quarktorte mit Pfirsich zu überzeugen.
Und schon kommen sie auf verschiedene Kuchenteller, die meiner Omma aus Castrop Rauxel, Gott hab sie seelig, zu Entzückensausrufen veranlasst hätten…
Zwischen Zauberlehrling und Selbstmordkandidat
Es gibt Menschen, denen relativ egal ist, wo sie nächtigen. Auf Dienstreisen lassen sie sich von ihrer Sekretärin die bekannten und im Rahmen der Reisekostenrichtlininen liegenden Kettenhotels buchen und gut ist.
Bei mir ist das anders. Ich schaue bei der Hotelwahl, egal ob ich beruflich oder privat unterwegs bin, sehr genau hin. Ein Tick? Vielleicht. Doch eine Dienstreise vor einiger Zeit hat mir wieder mal gezeigt warum.
Zunächst ging es nach Stuttgart, einer Stadt, in der ich seit Jahren nicht mehr war. Extrem schnell aber stieß ich auf ein Hotel, dessen Name einen Hauch Gelsenkirchener Barock versprüht, dessen Web-Seite aber mich sofort buchen ließ: das “Zauberlehrling”. Ein Mikrokosmos von Stilen soll das Haus sein, jeder Raum ist anders eingerichtet. Mir erlaubte die Reisekostenrichtlinie nur den kleinsten von ihnen, die “Zeitfalle”.
“Raumwunder” wäre aber vielleicht die bessere Bezeichnung gewesen. Das Zimmer ist wirklich sehr, sehr klein. Trotzdem aber ist jeder Quadratzentimeter bestens genutzt, sogar für eine ordentlich große Dusche mit Glaswänden ist Platz. Allerdings: Die ist mehr oder weniger im Zimmer. Beim Waschbecken, das allerdings zu winzig ist, gibt es kein “mehr oder weniger” - es ist unabgetrennt im Raum angebracht.
Das macht die Atmosphäre aber nicht unangenehm. Gut, mehrere Nächte möchte ich hier nicht bleiben, für eine aber ist es eine lustige Kuriosität. Überhaupt: Schmunzelig ist hier vieles.
San Gimignano: Das beste Eis der Welt
Vielleicht klingt das wie eine Übertreibung, das mit dem “besten Eis der Welt” in der Überschrift. Denn natürlich gibt es viele Orte, die sich herausragender Eiscrèmes rühmen und wir haben zwar viel Eis in unserem Leben verspeist - aber man kann ja nicht überall essen. Doch beim 100-Meter-Lauf der Olympischen Spiele wird ja auch der angeblich “Schnellste Mann der Welt” gekürt, obwohl nicht alle Männer der Welt starten dürfen.
Deshalb richten wir uns mal nach dem Urteil von Fachleuten, die untermauern, was unsere Geschmacksknospen uns signalisierten: Dass die “Gelateria di Piazza” (Piazza della Cisterna 4) in San Gimignano, im Herzen der Toskana, ein Mörder-Eis zubereitet. Denn ihr Chef Sergio Dondoli, so steht es in geschwungenen, blauen Neon-Lettern über der Tür, war zwei Mal schon Weltmeister der Eismacher. Außerdem ist er Mitglied der italienischen Nationalmannschaft.
Nun gut, die Erwähnung “Nationalmannschaft” in Zusammenhang mit “Italien” ist ja für uns Deutsche so sympathisch wie eine Kakerlaken-Pizza. Doch in diesem Fall sind die Sorgen unbegründet. Hier gibts keinen gefrorenen Catenaccio (für die Anti-Fußball-Leser: bitte hier entlang), hier wird geschmacklich die Champions League erstürmt.Kaum zu glauben: Mitten auf einem der touristischsten Plätze der Toskana gibt es eine Köstlichkeit zum Niederknien.
Das Eis hier…
Ein Bild von einem Essen
Updated on Samstag, Juli 5, 2008 by
Thomas Knüwer
Der Seufzer an sich ist ja nicht neu: “Amerika, Du hast es besser.” Na ja, zumindest in Sachen Internet. Dort ist man bereits zwei Galaxien weiter in der Wahrnehmung und mit dem Umgang dessen, was im Web passiert. Das betrifft eben auch das Verhältnis von Gastronomen und Weblogs.

Sehr schön beschreibt das Kelli Bernard in ihrem Dessert-Weblog Loveskool. Sie selbst war erst Blog-Leserin und dann -Autorin. Das hat ihr einen journalistischen Job bei einem Schokoladen-Magazin eingebracht. Und nun hat sie ihr eigenes Keks-, Kuchen- und Teegeschäft, das “Amai” in New York.
Und dort, schreibt sie, erkenne sie sofort Food-Blogger. Und die unterschieden sich deutlich von Food-Journalisten…
Hauptsache: satt
Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die nicht verstehen, warum wir so viel Geld für gutes Essen ausgeben - und dann noch die Zeit investieren, um darüber zu schreiben. Sie trinken Wein zum Mahl, weil man nun mal Wein dazu trinkt, rot zum Fleisch und weiß zum Fisch - das haben sie so gelernt. Wenn sie unterwegs Hunger haben, gehen sie halt essen - je nachdem, was gerade auf ihrem Weg ist. Hauptsache: satt.
Nun liebe ich ja auch mal gern einen Burger oder eine Schüppe Fritten zwischendurch - als gelegentliche Ausnahme. Weil ein gutes Essen eben auch ein Stück Erholung ist, ein kleiner Urlaub in der Alltagshektik.
Daran musste ich denken, als ich gerade…

